Samstag, 23. Mai 2020

Coronavirus in Brasilien: Schos in großer Sorge

Augen zu und durch, so wie die Katze. Schos'
Bart passt nicht mehr in den Mund-Nasen-Schutz.
In Brasilien spitzt sich die Coronavirus-Pandemie dramatisch zu. Mehr als 20.000 neue Ansteckungen pro Tag und schon über 21.000 Todesfälle meldet das südamerikanische Land, in dem Gauloises-Präsident Schos lebt.

Insgesamt sind in Brasilien nach aktuellem Stand vom 23. Mai 330.890 Menschen mit SARS-CoV-2 infiziert – im weltweiten Vergleich weisen nur die USA (1,6 Millionen) höhere Zahlen aus. Zum Vergleich: Deutschland kommt aktuell auf 179.730 Infizierte, 689 Neuinfektionen pro Tag und 8241 Todesfälle.

„Ich mache mir große Sorgen. Die Zahlen, die genannt wurden, sind nur die offiziellen. Wir können davon ausgehen, dass es eine sehr hohe Dunkelziffer gibt. Auch finden in Brasilien viel weniger Tests auf das Coronavirus statt als etwa in Deutschland“, berichtet der Gallier.

In Sao Paulo, wo Schos die deutsche Pfarrei St. Bonifatius betreut, ist die Lage besonders heikel. Der mit rund 45 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichste Bundesstaat in Brasilien hat nun weitere Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Auch wird darüber nachgedacht, eine Ausgangssperre zu verhängen.

Gouverneur Joao Doria führte einen „Mega-Feiertag“ ein, der von Mittwoch, 20. Mai, bis Montag, 25. Mai, geht. Hintergrund ist, dass es den Bürgern besser gelingt, sich an die Einschränkungen des öffentlichen Lebens zu halten, wenn sie nicht zur Arbeit müssen. „Für den Mega-Feiertag wurden mehrere Feiertage aus anderen Monaten vorgezogen“, erläutert Schos und ergänzt süffisant: „Wenn das so weitergeht, feiern wir nächste Woche schon Weihnachten.“

Doch die Lage vor Ort ist alles andere als zum Lachen. Auf seine persönliche Situation angesprochen, gesteht der 43-Jährige: „Ich habe schon ein sehr mulmiges Gefühl“. Der Gauloises-Vorstand versucht so gut es geht, sich vor einer Ansteckung zu schützen. Das Haus verlässt er kaum noch, zum Einkaufen geht er mit Mund-Nasen-Schutz und Handschuhen. Seine Kirche hält Schos seit März geschlossen, die Gemeinde betreut er aus der Ferne, etwa per Telefon und Whatsapp.

Trotz der rasant steigenden Infektionszahlen in Brasilien denkt der Priester nicht daran, seine Sachen zu packen und nach Deutschland zu kommen: „Ich will die Pfarrei in dieser schwierigen Zeit nicht alleine lassen. Außerdem habe ich ja Katzen und Pflegekinder, um die ich mich kümmern muss.“ Bleibt zu hoffen, dass das südamerikanische Land das Infektionsgeschehen bald irgendwie in den Griff bekommt.

Die Tagesschau hat am 21. Mai einen Beitrag über die Entwicklungen in Brasilien gesendet:

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