Freitag, 3. April 2020

Kopy in Kurzarbeit - Testergebnis bei Toss

In diesen verrückten Corona-Zeiten sind die Bundesbürger angehalten, zu Hause bleiben. Viele Berufstätige sind ins Homeoffice gewechselt, um sich und ihre Kollegen vor einer Ansteckung mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2 zu schützen. Doch es gibt Jobs, in denen es unmöglich ist, von daheim aus zu arbeiten. In einem solchen Beruf arbeitet Kopy, der diesmal von den Auswirkungen der Corona-Krise auf sein Leben berichtet - nach Schos und Jens, Maxi und Michi sowie Doc Scheiz und Toss, bei dem es auch Neuigkeiten gibt.

Kopy zum Nichtstun verdammt

Kopy schwört beim Schutz vor einer Corona-Ansteckung
auf Mund-Nasen-Schutz und Sicherheitsbrille,
damit die Tröpfchen nicht in die Augen gelangen.
Die Automobilindustrie ist ein Wirtschaftszweig, in dem Homeoffice praktisch nicht möglich ist. Die verschiedenen Prozesse finden in den Werken an den Produktionsbändern statt, wo viele Menschen zusammenkommen, um Hand anzulegen. Ein gut getaktetes Zusammenspiel ist für eine solche Produktionskette nötig, einzelne Tätigkeiten lassen sich aus dem Prozess nicht herausbrechen – und nicht an irgendeinem anderen Ort, etwa in der heimischen Wohnung, fortführen. Daher hat Kopy, der direkt in der Herstellung von Fahrzeugen arbeitet, natürlich überhaupt keine Möglichkeit, ins Homeoffice zu wechseln.

Dennoch ist der Gallier momentan zu Hause. Das liegt daran, dass seine Firma ihn in die Freizeit geschickt hat. Weil durch die Corona-Krise aktuell erheblich weniger Autos bestellt werden, hat der Autohersteller die Produktion unterbrochen und für die Belegschaft Kurzarbeit beantragt. Für mindestens drei Wochen stehen die Bänder still. „Ich habe bis zum 13. April Kurzarbeit. Dann werde ich angerufen und mir wird mitgeteilt, ob ich kommen soll oder nicht“, erzählt Kopy. So wie ihm geht es allen Arbeitern, die keinen Puffer in ihrem Zeitkonto haben. „Die Kollegen, die Plusstunden haben, müssen diese abbauen“, berichtet er.

Kurzarbeit bedeutet für ihn persönlich also, zum Nichtstun verdammt zu sein, aber dennoch bezahlt zu werden. 93 Prozent des Nettolohns erhält Kopy in dieser Zeit, die er hauptsächlich bei seinen Eltern in Emmerting verbringt.

Große Sorgen macht sich der Gauloises-Stammtorwart, wenn er an die Zukunft denkt. Er befürchtet, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise heftig sein werden: „Die Zeit nach Corona wird eine Katastrophe. Ich denke, der Absatzmarkt in der Automobilindustrie wird um 70 Prozent einbrechen. Viele Menschen werden ihr Auto stornieren oder zurückgeben, weil sie die Raten nicht zahlen können. Und wenn alles einbricht, bin ich bald arbeitslos.“

Hoffnung zieht der 43-Jährige aus der Tatsache, dass er in einer Abteilung arbeitet, die Autos produziert, die weltweit verkauft werden – etwa nach USA, China und Südafrika. Sowie Motorradteile für das Werk in Berlin. „Wenn ich nur für den Markt in Deutschland arbeiten würde, hätte ich ein Problem“, vermutet er.

Erfahrung mit Kurzarbeit und einer wirtschaftlichen angespannten Lage in seiner Branche hat Kopy schon 2008 gesammelt, als die Finanzkrise dazu führte, dass sein Arbeitgeber die Produktion für längere Zeit unterbrach. „Das war verrückt damals. Zuerst hatten wir fünf Wochen lang Kurzarbeit und dann Sonderschichten samstags bis Jahresende“, schildert Kopy. Denkbar, dass sich dieses Szenario wiederholt - es wären rosige Aussichten für ihn und seine Kollegen in der derzeit angespannten Corona-Krise.

Testergebnis bei Toss liegt vor

Gute Nachrichten vermeldet indes Toss. Der Gallier, der Kontakt zu einem COVID-19-Erkrankten hatte und Symptome eines Infekts aufwies, ist negativ auf das Coronavirus getestet worden. „Ich bin erleichtert, hätte aber auch nichts dagegen gehabt, es sozusagen durchgestanden zu haben“, berichtet er.

Mehrere Tage dauerte es, bis das Ergebnis ihm zugestellt wurde. In dem Brief schränkt das Labor allerdings ein, dass es durchaus denkbar ist, dass eine Infektion vorgelegen haben könnte, diese aber schlichtweg jetzt nicht mehr nachweisbar ist. Das kann in solchen Fällen vorkommen, in denen zu spät getestet wurde. Nach medizinischen Erkenntnissen lassen sich die Coronaviren im Rachen der Menschen bis zu vier Tage nach Erkrankungsbeginn nachweisen, bei Toss fand der Test deutlich später statt.

„Wie auch immer. Es war ein sehr komischer Infekt, den ich hatte, und ich bin froh, dass ich mich wieder gesund fühle“, erzählt Toss. Auch freut er sich darüber, dass er seine Wohnung nach der 14-tägigen Quarantäne wieder verlassen darf. Der vom Gesundheitsamt angeordnete Hausarrest endet am Samstag.

Coronavirus und die Gallier: Weitere Artikel findet Ihr hier!

Montag, 30. März 2020

Docs Kampf gegen das Coronavirus - Toss in Quarantäne

"Wirbleibenzuhause" - eine Aktion des Ministeriums für
Gesundheit. Wer als Corona-Verdachtsfall gilt, muss
für zwei Wochen in heimische Quarantäne.
Das neuartige Coronavirus sorgt täglich für immer mehr Infizierte in Deutschland. Auch steigt die Zahl der Menschen, die sich in heimischer Quarantäne befinden, weil sie als Verdachtsfälle gelten. Nun hat es auch einen Gallier erwischt.

Nach Schos und Jens sowie Maxi und Michi berichten diesmal Doc Scheiz und Toss, wie sich die Corona-Krise auf ihr berufliches und privates Leben auswirkt.


Doc Scheiz: Als Hausarzt an vorderster Front

Ärzte, Pflegekräfte und Klinikmitarbeiter sind die Helden der derzeitigen Coronavirus-Pandemie. Sie stellen sich der unbekannten, unsichtbaren Gefahr und selbstlos in den Dienst der Menschen. Das gilt auch für Doc Scheiz, der als Hausarzt durch das neue Coronavirus SARS-CoV-2 gerade intensive Zeiten erlebt. „Viel telefonieren, viel beraten und beruhigen ist aktuell angesagt“, erzählt der Gallier. Denn jeder Patient, der sich krank fühlt oder den Verdacht hegt, infiziert zu sein, sucht nach Hilfe und Antworten.

Die Lage in Deutschland wird sich noch zuspitzen, wenn die Erkrankungszahlen weiterhin täglich so stark steigen. „Wir stehen erst am Anfang der Epidemie“, mutmaßt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Diese Auffassung teilt Scheiz: „Wir rennen in einen Tsunami rein.“ Darauf sind das deutsche Gesundheitssystem und die Ärzteschaft nicht richtig vorbereitet, wie sich an einigen Stellen zeigt. Ein großes Problem ist, dass seit Wochen keine Schutzmaterialien für die Mediziner zur Verfügung stehen. „Wir haben schon länger keine Schutzkittel und keinen medizinischen Mundschutz mehr. Über Handwerker konnten wir wenigstens ein paar Atemschutzmasken organisieren“, erzählt er. Somit ist oft kein ausreichender Schutz für ihn als Arzt möglich.

Um die Patienten davor zu schützen, dass sie sich gegenseitig anstecken, haben Scheiz und seine Kollegen in der Praxis verschiedene Maßnahmen ergriffen. So haben sie vor dem Eingang ins Gebäude einen Pavillon errichtet, in dem die Menschen empfangen werden - damit es nicht zu einem vollen Wartezimmer mit hohem Ansteckungsrisiko kommt. Die Arzthelferinnen fragen die Patienten draußen nach dem Anliegen. Und jene, die nur ein Rezept oder eine Krankmeldung abholen wollen, erhalten die nötigen Unterlagen, ohne dass sie die Arztpraxis betreten müssen. Patienten, die eine Behandlung benötigen, erhalten natürlich Zutritt – wobei darauf geachtet wird, dass sich nicht zu viele Menschen gleichzeitig in den Praxisräumen aufhalten.

Um das besser koordinieren zu können, werden nun alle Patienten aufgerufen, erst anzurufen, ehe sie in die Sprechstunde kommen. Dadurch wollen die Ärzte auch vermeiden, dass Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert sind oder die Lungenkrankheit COVID-19 entwickelt haben, plötzlich in der Praxis stehen. Hilfreich sind da natürlich die staatlichen Anweisungen an die Patienten: Jeder mit Corona-Verdacht soll sich telefonisch beim Hausarzt, beim kassenärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Rufnummer 116117 oder beim zuständigen Gesundheitsamt melden, und nicht einfach einen Arzt aufsuchen.

Bei den steigenden Infektionszahlen in Deutschland ist es wenig verwunderlich, dass es auch im Landkreis Altötting immer mehr Corona-Fälle gibt. Auch Doc Scheiz hat Erkrankte behandelt - zu einem Zeitpunkt, wo noch nicht klar war, dass sich diese mit dem Coronavirus angesteckt hatten. Doch glücklicherweise wurde er nicht infiziert, so dass er weiterhin für seine Patienten da sein und den Kampf gegen SARS-CoV-2 fortführen kann. Gut so, denn Helden wie er werden in der derzeitigen Coronavirus-Pandemie dringend gebraucht.


Coronavirus-Verdacht bei Toss

Mit dem neuen Coronavirus hat sich womöglich Toss infiziert. Der Hesse befindet sich derzeit in behördlich angeordneter Corona-Quarantäne. Die Wohnung in Dreieich darf er zwei Wochen lang nicht verlassen.

„Mich hat das Gesundheitsamt angerufen und darüber informiert, dass bei einem Arbeitskollegen SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde. Dieser hat mich als eine der Personen genannt, mit der er engen Kontakt hatte“, berichtet der ehemalige Gauloises-Mannschaftsführer. „Ich hatte an einem Tag intensiv mit ihm zusammengearbeitet und bin deswegen jetzt in Schutz-Quarantäne.“

Täglich ruft das Gesundheitsamt nun an, um sich zu erkundigen, wie es ihm geht. Die Behörde hat Toss angewiesen, sich einem Corona-Test zu unterziehen. Dazu muss er eines der hessischen Testcenter aufsuchen, wie etwa das an der Frankfurter Uniklinik. Dort wartet man draußen in einer Schlange, bis man durch ein geöffnetes Fenster von einem Arzt in Schutzanzug einen Rachenabstrich gemacht bekommt. Der Test wird anschließend in ein Labor geschickt, das Ergebnis steht erst nach einigen Tagen fest. Und dieses könnte positiv ausfallen, denn Toss weist Symptome eines Infekts auf.

„Ich hatte kurz Fieber und etwas Schüttelfrost, aber habe keinen Husten und keine Halsschmerzen - also nicht die klassischen Symptome, die die meisten COVID-19-Erkrankten aufweisen“, schildert der Gallier. Dafür habe er ein starkes Krankheitsgefühl und mit brutalen Kopf- und Gliederschmerzen sowie mit Durchfall zu kämpfen. Laut Gesundheitsamt könnten auch das Anzeichen einer Coronavirus-Infektion sein.

Sollte sich Toss angesteckt haben, muss er dann angeben, mit wem er zuletzt intensiven Kontakt hatte. Doch das waren nicht viele Menschen, denn der Online-Redakteur wechselte schon vor zwei Wochen ins Homeoffice und ging seither selten aus dem Haus.

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Donnerstag, 26. März 2020

Maxi und Michi mögen die Muße des Moments

Maxi und Michi erzählen, wie sie die viele freie Zeit während der Corona-Krise verbringen.
Die Bundesregierung hat ihre Maßnahmen nochmal verstärkt, um zu verhindern, dass sich das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 in Deutschland weiterhin so stark ausbreitet. Ausgangsbeschränkungen gelten jetzt bundesweit. Wie sich die Corona-Krise auf ihr berufliches und privates Leben auswirkt, darüber berichten nach Schos und Jens diesmal Maxi und Michi.


Schulfrei für Maxi

Eigentlich sollte und wollte Maxi nun in seinem Referendariat durchstarten, das er vor wenigen Wochen in einem Münchner Gymnasium begonnen hat. Der angehende Lehrer hat Unterrichtsstunden schon selbst gegeben und sollte nach Ostern eine eigene Klasse übernehmen. Doch dann kam prompt die behördliche Anordnung, dass die Schulen bis zum Ferienende am 19. April geschlossen werden.

Dadurch hat Maxi schulfrei, aber ganz vom Unterricht befreit ist der Berufseinsteiger nicht. „Ich habe eine 8. Klasse, die eine Schulaufgabe nachschreibt, sobald der Schulbetrieb wieder weitergeht. Für diese Schüler habe ich Unterrichtsmaterialien und Übungen vorbereitet und auf eine Internet-Plattform hochgeladen, die sie gut brauchen können, um sich auf die Prüfung vorzubereiten“, schildert der Gallier.

Damit setzt seine Schule genau das um, was das bayerische Kultusministerium fordert. Schulen sind angehalten, Maßnahmen zu ergreifen, um den Unterrichtsausfall aufzufangen. Dazu zählt, dass sie Unterrichtsmaterialien online zur Verfügung stellen sollen, damit es Schülern ermöglicht wird, digital zu lernen. „Als Lehrer wurde man aber nicht richtig vorbereitet, solche Tools zu nutzen“, ergänzt der 28-Jährige. "Dadurch klappt vieles noch nicht."

Was bleibt, ist viel Freizeit, die Maxi auch nutzt, um sich fit zu halten – täglich geht er mit seiner Freundin joggen. Ebenfalls ein beliebter Zeitvertreib: Playstation zocken und Online-Schafkopf: „Ich mache täglich einen Tisch bei sauspiel.de auf - falls jemand sich anschließen und mal schafkopfen will.“

Die Alltagsbeschränkungen infolge der Coronavirus-Pandemie sieht Maxi gewohnt locker: „Für mich ist das alles nicht wirklich eine Einschränkung. Ich fühle mich stark zurückerinnert an meine Studentenzeit: Vor Prüfungen und vor allem vor dem Staatsexamen kam ich auch kaum aus der Wohnung raus.“


Michi hat zahlreiche Vorsätze

Sehr viel zu Hause ist neuerdings auch Michi. Der Journalist, der für eine katholische Wochenzeitung arbeitet, ist Anfang der Woche ins Homeoffice versetzt worden. Bis dahin hatte er den Weg in die Redaktion, die 100 Meter von seiner Wohnung entfernt liegt, täglich zu Fuß zurückgelegt.

Nun hat sein Arbeitgeber den Mitarbeitern angeraten, von daheim aus zu arbeiten. Die Empfehlung findet Michi gut: „Sicher ist sicher. Wir sind ja nur zwei Redakteure und wollen vermeiden, dass wir uns gegenseitig anstecken und ausfallen.“ In der Zeitungsproduktion aus dem Homeoffice sieht der Gallier kein Problem: „Da wir derzeit keine Außentermine haben, kann man alles online machen und sich telefonisch abstimmen.“

Ähnlich wie Maxi empfindet Michi die aktuell geltenden Alltagsbeschränkungen nicht als Einschnitt, sondern als Gewinn: „Die viele freie Zeit versuche ich so sinnvoll wie möglich zu nutzen.“ So geht der Altöttinger nach wie vor häufig Joggen. Auch freut er sich darüber, mehr Zeit fürs Lesen zu finden. „Auf meinem Schreibtisch liegen 30 Bücher, die ich schon lange mal lesen wollte.“

Doch damit nicht genug. Der 43-Jährige will zudem seine Französisch-Kenntnisse auffrischen und hat deswegen seinen Account bei einem Online-Lernportal reaktiviert. „Und ich habe mir Klaviernoten bestellt, weil ich damit endlich mal wieder anfangen wollte.“

Langweilig werde ihm auf keinem Fall, betont Michi – und ergänzt schmunzelnd: „Bei so vielen guten Vorsätzen wäre es eigentlich klüger, wenn die mich gleich für ein Jahr in Quarantäne schicken.“

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